Parameterdefinition
Permittivitätszahl ε
Die Permittivitätszahl ε bzw. die relative Dielektrizitätskonstante (DK) ist das Verhältnis aus der absoluten Permittivität des Keramikmaterials und der Permittivität im Vakuum (ε0 = 8,85 x 10-12 F/m), wobei die absolute Permittivität ein Maß für die Polarisierbarkeit im elektrischen Feld darstellt.
Die Richtungsabhängigkeit der DK von der Richtung des elektrischen Feldes und der dielektrischen Verschiebung wird durch entsprechende Indizes symbolisiert. Zum Beispiel beschreibt
- ε33T
den DK-Wert in Polungsrichtung bei anliegenden elektrischen Feld in Polungsrichtung (3-Richtung, siehe oben) unter der Bedingung einer konstanten mechanischen Spannung (T=0: "freie" Permittivität) - ε11S
elektrisches Feld und dielektrische Verschiebung in 1-Richtung, bei konstanter Deformation (S=0:"geklemmte" Permittivität)
Piezoelektrische Ladungskonstanten dij
Die piezoelektrische Ladungsoder Deformationskonstante d ist ein Maß für die induzierte elektrische Ladung bei Wirkung einer mechanischen Spannung bzw. erzielbare mechanische Dehnung bei Wirkung eines elektrischen Feldes (T=konstant). Zum Beispiel beschreibt
- d33
die induzierte elektrische Verschiebungsdichte pro mechanische Spannung bzw. alternativ die induzierte Dehnung pro definierten elektrischen Feld, jeweils in Polungsrichtung.
Piezoelektrische Spannungskonstanten gij
Die piezoelektrischen Spannungskonstanten g definieren das Verhältnis von elektrischer Feldstärke E zur wirkenden mechanischen Spannung T. Dividiert man die jeweiligen piezoelektrischen Ladungskonstanten dij durch die zugehörige Permittivitätszahl erhält man die entsprechenden gij-Koeffizienten. Zum Beispiel beschreibt
- g31
das induzierte elektrische Feld in 3-Richtung bei in 1-Richtung wirkender mechanischer Spannung.
Elastische Nachgiebigkeit sij
Die Nachgiebigkeitskonstanten s (auch Elastizitäts-Konstanten genannt) sind ein Maß für das Verhältnis der relativen Deformation S zur mechanischen Spannung T. Bedingt durch die Wechselwirkung von mechanischer und elektrischer Energie sind die jeweiligen elektrischen Grenzbedingungen zu berücksichtigen. Zum Beispiel beschreibt
- S33E
das Verhältnis der mechanischen Dehnung in 3-Richtung zur in 3-Richtung wirkender mechanischer Spannung, bei konstantem elektrischem Feld (für E = 0: Kurzschluss) - S55D
das Verhältnis einer Scherung zur wirkenden Scherspannung bei konstanter dielektrischer Verschiebung (für D = 0: Leerlauf)
Hinweis:
Der im englischsprachigen Raum oftmals verwendete Young-Modul Yij entspricht dem reziproken Wert des entsprechenden Elastizitätskoeffizienten.
Frequenzkonstante Ni
Die Frequenzkonstante N entspricht der halben Geschwindigkeit der sich im keramischen Körper ausbreitenden Schallwelle (mit Ausnahme NP, der sog. planaren Schwingung). Die Indizes bezeichnen die entsprechende Schwingungsrichtung, wobei die jeweilige Abmessung A die zugehörige (Serien-) Resonanzfrequenz fR bestimmt fR: (N = fR * A). Zum Beispiel beschreibt
- N3
die Frequenzkonstante für die Longitudinalschwingung eines schlanken Stabes, welcher in der Längsrichtung polarisiert ist - N1
die Frequenzkonstante für die transversale Schwingung eines schlanken Stabes, welcher in der 3-Richtung polarisiert ist - NP
die Frequenzkonstante der Flächenschwingung (planar)einer runden Scheibe - Nt
die Frequenzkonstante der Dickenschwingung einer dünnen Scheibe, die über die Dicke polarisiert ist.
Mechanische Güte Qm
Die mechanische Güte Qm charakterisiert die "Resonanzschärfe" eines piezoelektrischen Körpers (Resonator) und wird vorrangig aus der 3 dB-Bandbreite der Serienresonanz des schwingfähigen Systems bestimmt.
Der reziproke Wert des mechanischen Gütefaktors ist das Verhältnis aus Wirk- und Blindwiderstand, der mechanische Verlustfaktor tanδ.
Koppelfaktoren k
Der Koppelfaktor k ist ein Maß für den Grad des piezoelektrischen Effektes (k e i n Wirkungsgrad, wie fälschlicherweise oft genannt!) Er beschreibt das Vermögen eines piezoelektrischen Materials, aufgenommene elektrische in mechanische Energie umzuwandeln und umgekehrt. Mathematisch bestimmt sich die Höhe des Koppelfaktors aus der Quadratwurzel des Verhältnisses gespeicherte mechanische Energie zu der gesamten aufgenommenen Energie. Unter dynamischen Bedingungen (Resonanzfall) hängt k von der entsprechenden Schwingungsform des piezoelektrischen Körpers ab.
- k33
der Koppelfaktor der Longitudinalschwingung - k31
der Koppelfaktor der transversalen Längsschwingung - kp
der Koppelfaktor der Radialschwingung (planar) einer runden Scheibe - kt
der Koppelfaktor der Dickenschwingung einer Platte - k15
der Koppelfaktor der Dickenscherschwingung einer Platte
Das dynamische Verhalten
Das elektromechanische Verhalten eines zu Schwingungen angeregten piezoelektrischen Körpers lässt sich in seinen Eigenschaften mit einem elektrischen Ersatzschaltbild darstellen.
C0 + C1 ist dabei die Kapazität des Dielektrikums. Die aus C, L, und R bestehende Reihenschaltung beschreibt die Änderung der mechanischen Eigenschaften, wie elastische Deformation, effektive Masse (Trägheit) und mechanische Verluste durch innere Reibung. Diese Schwingkreis-Beschreibung ist allerdings nur für Frequenzen in der Nähe der tiefsten mechanischen Eigenresonanz anwendbar.
Die meisten piezoelektrischen Materialparameter werden über Impedanzmessungen an speziellen Prüfkörpern im Resonanzfall bestimmt. Einen typischen Impedanzverlauf zeigt nachstehende Abbildung.
Für die Bestimmung bzw.Berechnung der piezoelektrischen Kennwerte werden die Serien- und Parallelresonanz herangezogen. Diese entsprechen in guter Näherung dem Impedanzminimum fm und -maximum fn.
Schwingungszustände bzw. - formen werden maßgebend von Geometrie des Körpers, mechanoelastischen Eigenschaften und der Polarisationsrichtung bestimmt.
Die wichtigsten Schwingungszustände an definierten Resonatoren werden mit den zugehörigen Konstanten in der nachstehenden Grafik dargestellt.

Schwingungszustände piezoelektrischer Komponenten

Ersatzschaltbild eines piezoelektrischen Resonators

Typischer Impedanzverlauf





